Anleitungen
Geschrieben wird viel in Deutschland, das meiste umsonst d.h. ohne, daß das Geschriebene je sein potentielles Publikum erreicht und ohne, daß der Autor gesellschaftliche Anerkennung, geschweige denn pekuniären Lohn seiner Mühen erhält. In Autoren-Clubs liest man einander, zuweilen auch einander vor, das war´s. Selbst vermarktungswürdige Werke finden aufgrund antiquierter Marketing-Strukturen in Deutschland nicht den Weg zum Verleger; oft greifen diese lieber auf bereits im Ausland erfolgreiche Autoren zurück; Internetverlage erreichen nur einen geringen Teil der potentiellen Käuferschaft.
Aber auch in manch anderen, noch nicht perfekten Romanen, Novellen, Erzählungen etc. steckt ein enormes Potential an Ideen, packenden Stories, spannender Handlung, interessanten Figuren und Dramatik; schade daß sie ungenutzt brach liegen.
Weltweit wächst der Markt für gute Drehbücher, während die Absatzzahlen für gedrucktes Schriftgut stagnieren oder sinken. Ständig werden mehr Kino- und Fernsehfilme produziert, steigt der Bedarf in den Fernsehanstalten, die Lücken zwischen den Werbeblöcken mit spannenden Serien und Unterhaltung zu füllen, welche die Zuschauer bei der Stange halten.
Diesen Trend sollten Sie sich zunutze machen und dem Gedanken näher treten, von der Belletristik zum Verfassen von Drehbüchern zu wechseln.
Drehbuch-Autor werden, ist das nicht zu schwierig? Zumindest ist es erlernbar, wenn man bestimmte Voraussetzungen erfüllt, die aber auch für das Schreiben von Romanen etc. unerläßlich sind: Phantasie, Einfallsreichtum, Beobachtungsgabe, schriftstellerisches Talent, Sprachbeherrschung, ausreichende Allgemeinbildung…
Verfügen Sie über diese Eigenschaften und Kenntnisse, zeigen wir Ihnen wie´s geht:
Drehbuchschreiben – OurAgency´s Crash Course (An dieser Stelle wird demnächst eine ausführliche Anleitung stehen, die es ermöglichen wird, das Schreiben von Drehbüchern zu erlernen. Zunächst ein kleiner Einblick:)
Der Werkzeugkasten des Drehbuchautors Genau wie jeder andere „Handwerker“ verfügen erfolgreiche Drehbuch-Autoren über einen Satz Werkzeuge, den sie exzellent zu handhaben wissen, um in der stark umkämpften Branche zu bestehen. Als Autor sollte man die meisten Instrumente beherrschen; wenige meistern alle perfekt. Hier die wichtigsten, deren „Bedienung“ man unbedingt erlernen sollte, mit einer kurzen Erläuterung:)
Konzept Es steht am Anfang jedes Schaffensprozesses, der letztlich in einem Drehbuch endet. Oft befindet es sich lediglich im Kopf des Autors; es ist jedoch empfehlenswert und für manche Prozesse unerläßlich, es schriftlich niederzulegen.
Ein Konzept enthält die Grundidee des späteren Films und die Beschreibung des "Helden", der Hauptfigur der Handlung, sowie eine erste Vorstellung zum Handlungsverlauf und Ende ("Ergebnis") der Story.
Darüber hinaus beschreibt ein Konzept, wie der Autor dazu kam, diese Idee aufzugreifen bzw. zu entwickeln und warum er sie für reizvoll und für ein größeres Publikum interessant hält. In der Regel genügen 1 bis 2 Seiten, ein schlüssiges Konzept darzustellen .
Kurzbeschreibung oder Log LineSie gibt die Grundidee wieder, die dem Film zugrunde liegt, ausgedrückt in einem oder zwei (optimal), maximal drei Sätzen. Es sollte dargelegt werden, in welchem Genre die Handlung angelegt ist, wer deren Hauptperson ist, welches ihre Ziele sind und auf welchem Wege sie sie erreichen möchte.
Grundstruktur oder Premise Dies ist eine deutlich erweiterte Kurzbeschreibung, die zusätzlich die Hauptperson näher schildert, mit ihren Stärken und Schwächen, welche überraschenden Handlungen sie vornimmt, gezwungen durch die Aktionen der Gegenspieler, um ihr Ziel zu erreichen und wie sie sich entwickelt. Es geht also um den Handlungsbogen rund um die Hauptfigur, dies ist sozusagen das "Rückgrat" des Drehbuchs. Es können darüber hinaus auch noch wichtige andere Rollen und ihre Charaktere kurz angerissen werden. Der Umfang sollte eine Seite nicht überschreiten.
Übersicht oder Synopsis Dies ist eine erweiterte Grundstruktur, die den Handlungsbogen in Anfang, Mitte und Ende unterteilt. Sie beschreibt genauer die Entwicklung der Hauptfigur in jedem Stadium der Handlung, was mit ihr geschieht, welche dramatischen Verwicklungen bestehen. Sie bezieht auch schon in groben Umrissen die Beschreibung der wichtigsten Gegenspieler und deren Motivation für ihre Aktionen ein, welche auf die Hauptfigur einwirken. Der Umfang beträgt etwa 2 bis 3 Seiten.
Kurz-Szenarium oder Beat Outline Dieses fertigt der Autor, um die Hauptszenen zu entwickeln, die erforderlich sind, um seine Geschichte darzustellen. Auf der Grundlage der Grundstruktur und des Handlungsbogens rund um die Hauptfigur, unterteilt in Anfang, Mitte und Ende, beschreibt er mit einem/zwei Satz/Sätzen den Hauptinhalt der Szene und versucht, mehrere zu ganzen Handlungs-Sequenzen zusammenzustellen. In diesem Stadium der Entwicklung des Drehbuchs benötigt man etwa 50 bis 60 Hauptszenen, um die herum sich später weitere gruppieren.
Szenarium oder Step Outline In diesem sind bereits alle Szenen des Drehbuchs enthalten. In jeder einzelnen Szene werden sowohl der Schauplatz, als auch die Handlung in mehreren Sätzen schon recht detailliert beschrieben, jedoch ohne Dialoge. Auch sollten bereits Anmerkungen zur Kameraführung enthalten sein. Ein komplettes Szenarium für einen Kinofilm enthält etwa 150 bis 250 Szenen (Ein Teil wird später in der Endfassung des Drehbuches meist herausgestrichen.)
Drehbuch oder Screenplay Besitzt man ein gut ausgearbeitetes Szenarium, hat man bis zum Drehbuch nur noch einen wichtigen Schritt zu gehen: Das Einbringen der Dialoge. Dabei werden die einzelnen Szenen überarbeitet und auch die Kameraeinstellungen präzisiert. Das Wichtigste ist, sich stets vor Augen zu halten, daß ein Film mit Bildern "spricht"; Worte stehen im Hintergrund. Demzufolge müssen die einzelnen Szenen mit ihrem Handlungsablauf möglichst genau beschrieben werden, der Autor sieht szs. den Film im Geiste und beschreibt ihn in Worten. Dann erst fügt er die Dialoge an der passenden Stelle ein. Diese werden nur auf das unbedingt notwendig zu Sagende beschränkt und so prägnant wie möglich gehalten. Effektvoll ist, geistreiche und originelle, ggf. ironische Dialoge anstatt ständig wiederkehrender Platitüden zu wählen.
Ein Drehbuch umfaßt etwa 100 bis 150 Seiten. Dabei rechnet man für jede Drehminute eine Drehbuchseite. Die Drehbücher werden fast immer für die endgültige Fassung überarbeitet und dabei gekürzt.
Treatment (Beschreibung des Handlungsablaufs) Das Treatment wird nach Vollendung des Drehbuchs gefertigt, es ist eines der wichtigsten Instrumente seiner Vermarktung; es wird oft von Produzenten, Agenturen, Sendeanstalten und Fördergesellschaften angefordert, um sich einen möglichst genauen Einblick in den Handlungsablauf eines Skripts zu verschaffen, ohne dieses selbst lesen zu müssen. Ein Treatment zu verfassen ist nicht einfach, zumal unterschiedliche Anforderungen bestehen, was es zu enthalten hat. Einige der Werknutzer und Förderer verlangen, über das Treatment einen möglichst genauen Einblick in die Struktur des Werkes zu erhalten, also in das, was das Publikum auf der Leinwand oder dem Bildschirm zu sehen bekäme, würde das Drehbuch verfilmt. Andere hingegen wollen eine eher beschreibende (romanhafte) Darstellung des Handlungsablaufs und der Wandlung der Hauptfigur und der Haupt-Opponenten sehen, die deren Ziele und Motivationen mit den emotionalen Hintergründen genauer beschreibt. Im Fall der ersten Version des Treatments läuft der Autor Gefahr, seine Geschichte "als ein wenig schwach" beurteilt zu sehen; in der zweiten Version wird oft die "geringe Strukturierung" des Drehbuchs bemängelt.
Wir bevorzugen die erste Variante, in welcher der Handlungsablauf der Geschichte Abschnitt für Abschnitt prägnant beschrieben wird, untersetzt mit einigen (wenigen) Bemerkungen zu Zielen und Motivationen der handelnden Figuren. Sollte ein Werknutzer dann die andere Variante bevorzugen, was wir ermitteln werden, kann diese nachgereicht werden. Das Treatment sollte etwa 10 % des Skripts betragen, auf minimal 5, maximal 20 Seiten dargelegt werden.
Als wichtiger Anhang des Treatments ist die Aufstellung der Characters erforderlich, also der Darsteller in dem geplanten Filmwerk. Aus dieser Auflistung erfahren Produzenten Wichtiges über den Aufwand der Produktion und welche Schauspieler sich für die Besetzung der wichtigsten Rollen eignen, nicht zuletzt, um sie als "Zugpferde" für die Vermarktung des späteren Films einzusetzen.
Auszüge aus dem Werk Um ein Werk dem Publikum oder auch Werknutzern nahezubringen, ist es oft ratsam, ihnen einen Auszug (ein bis zwei Pasagen) daraus vorzustellen. Dazu wählt der Autor 2 bis 5 % des Gesamtumfanges, jedoch nicht mehr als 20 Seiten an ein oder zwei Stellen aus, die ihm besonders gelungen und für den Inhalt typisch erscheinen.
Schlußbemerkungen Es ist zwar ratsam, als Autor jeden einzelnen hier dargestellten Schritt des Schaffensprozesses bis zum fertigen Drehbuch nacheinander zu durchschreiten, aber nicht in jedem Fall zwingend erforderlich. Eigenheiten und Vorlieben mancher Autoren führen zu einer abweichenden Arbeitsweise; am Ende entscheiden Ergebnis und Erfolg. Wichtig jedoch bleibt, die erläuterten Grundsätze zu beachten, nie das Ziel aus den Augen zu verlieren und neben dem Drehbuch eine Kurzbeschreibung (Log Line) und ein Treatment zu erstellen sowie passende Auszüge auszuwählen.
